Für Lesende · Bücherfreunde

Wichtelgeschenke für Lesende, die das Offensichtliche schon haben

Bücher an Lesende zu schenken ist schwerer, als es aussieht. Sie haben den aktuellen Bestseller schon, sie haben Meinungen zu den Klassikern, und sie merken, wenn du etwas Generisches gewählt hast. Wie du trotzdem triffst.

Die Regel beim Leser-Geschenk: gehen Sie seitlich hinein. Überspringen Sie den Preisträger des Jahres, überspringen Sie das Buch, das alle lesen, überspringen Sie Selbsthilfe, sofern nicht ausdrücklich gewünscht. Ein gutes Leser-Geschenk zeigt, dass Sie darüber nachgedacht haben, was in ihrem Regal fehlt — nicht, was in allen anderen steht. Die meisten Wichtelbücher scheitern, weil die schenkende Person aus einer Bestsellerliste gewählt hat — genau der Liste, die die empfangende Person Monate vorher schon für sich selbst gefiltert hat.

Vier Richtungen, die Lesende respektieren

  1. Ein übersetztes Werk außerhalb des deutschen Kanons

    Ein zeitgenössischer Roman aus einer Sprache, die sie nicht lesen, ein Nobelpreisträger vor 1980, ein Essayband, der in den letzten fünf Jahren übersetzt wurde. Übersetzungen öffnen eine Tür — die meisten Lesenden bleiben in ihrer Sprache, also fühlt sich eine gute Übersetzung wie ein Pass an, und die kleinen Verlage, die diese Arbeit machen, packen die Bücher meist auch noch wunderschön ein.

  2. Ein Kurzwerk einer Autorin, die sie schon lieben

    Eine Novelle, ein Essayband, eine Briefsammlung, ein langes Interview als Buch veröffentlicht. Wenn sie eine Romancière lieben, ist deren Nebenwerk fast immer weniger gelesen — und meist die beste Einladung als Geschenk, weil es zeigt, dass Sie den tiefen Katalog kennen, nicht nur den großen Titel. Briefe und Interviews funktionieren besonders gut beim Büro-Wichteln, wo die Empfangende vielleicht keine Stunden, aber Mittagspausen hat.

  3. Eine schöne Ausgabe eines gemeinfreien Werks

    Eine Manesse-Ausgabe, eine Folio-Society-Edition, eine kleine handgebundene Ausgabe eines Klassikers. Für Lesende, die den Text schon besitzen, ist das Objekt das Geschenk — das Papier, die Typografie, die Bindung. Gemeinfreies Material bringt die schönsten Ausgaben hervor, weil der Verlag keine Lizenzkosten amortisieren muss und das Budget stattdessen ins Material fließt.

  4. Ein Zubehör, das das Lesen respektiert

    Ein solides Lesezeichen, eine aufladbare Leseleuchte zum Anklippen, ein hölzerner Buchständer fürs Lesen am Tisch, ein kleines Notizbuch für Anmerkungen. Der Test: es muss im Akt des Lesens verschwinden, nicht mit ihm konkurrieren. Schicke Lederlesezeichen, die nie an ihrem Platz bleiben, scheitern daran. Handgemachtes fügt sich hier wunderbar ein — ein gestepptes Stofflesezeichen oder ein handgebundenes Notizbuch liest sich überlegt auf eine Weise, die ein Kaufhaus-Accessoire nie ganz schafft.

Drei Dinge, die Sie vermeiden sollten

Vermeiden Sie den Bestseller des Jahres — entweder haben sie ihn oder sie haben entschieden, ihn nicht zu lesen. Vermeiden Sie Selbsthilfe ohne ausdrückliche Bitte; es liest sich als ein Rat, den Sie persönlich nicht gegeben haben. Und vermeiden Sie alles mit „literarisch" im Klappentext — dieses Wort gehört den Verlagen, nicht den Lesenden.

Paar erst auslosen, dann das Buch wählen

Ein Cuchumbo paart, wer wem schenkt, bevor jemand an Bücher denkt — was Ihnen Wochen gibt, die richtigen Fragen zu stellen, deren Rezensionen zu scrollen und etwas Spezifisches zu landen. Die Auslosung bleibt versiegelt und ist kostenlos, und es ist kein Konto nötig, um teilzunehmen.

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